Jasper nach dem Feuer - Lohnt es sich noch?
Juli 2024: Wie Jasper für immer verändert wurde
Es war Mitte Juli 2024, und in der Region um Jasper herrschten extreme Hitze und anhaltende Trockenheit. Am 22. Juli 2024 brachen vier kleinere Brände rund um Jasper aus, davon drei südlich der Stadt entlang des Icefields Parkway.
Starke Winde ließen die Brände rasch außer Kontrolle geraten. Innerhalb einer einzigen Nacht verschmolzen die drei Feuer im Süden zu einer gewaltigen Feuerfront, die direkt auf Jasper zulief. Durch die heftigen Böen fraßen sich die Flammen in nur 30 Minuten durch fünf Kilometer Wald, teilweise türmten sie sich bis zu 100 Meter hoch auf. Eine unvorstellbare Geschwindigkeit.
Innerhalb weniger Stunden wurden ganz Jasper sowie sämtliche Campgrounds evakuiert. Rund 25.000 Einwohner und Besucher mussten die Region über den Highway 16 in westlicher Richtung verlassen – der einzige noch offene Fluchtweg. Die Evakuierung verlief reibungslos und von diesem Waldbrand wurden keine Todesopfer unter Einwohnern oder Besuchern verzeichnet.
Es folgten mehrere Wochen eines unermüdlichen Einsatzes gegen die Feuerkatastrophe.
Das Feuer streifte den westlichen Teil von Jasper, wobei etwa 30% der Stadt den Flammen zum Opfer fielen. 70% der Bauwerke in der Stadt konnten gerettet werden, einschließlich der gesamten kritischen Infrastruktur.
Tragischerweise verlor ein Feuerwehrmann beim Feuerbekämpfen sein Leben, als er während der Löscharbeiten von einem umstürzenden Baum getroffen wurde.
Erst am 7. September 2024 konnte Parks Canada bekannt geben, dass der Brand unter Kontrolle gebracht worden war. Und mehrere Monate später, am 1. April 2025 wurde das Feuer schließlich offiziell als „endgültig gelöscht“ erklärt.
Gerne kannst du die Timeline mit Fotos von Parks Canada >> hier nachlesen.
Mehrere Fotos gibt es auch >> hier (auch die offizielle Seite von Parks Canada)
Jasper – Zwischen Waldbrand und Neuanfang: Lohnt sich eine Reise noch?
Der Waldbrand rund um Jasper hat Spuren hinterlassen – sichtbar, emotional und vor allem in den Köpfen vieler Reisender. Bilder von verkohlten Flächen gingen um die Welt, Social Media tat sein Übriges, und schnell entstand der Eindruck, Jasper sei komplett zerstört. Genau hier beginnt das Problem: Die Realität ist deutlich anders.
Oft liest man in den Reisegruppen Aussagen wie:
„Dort ist doch alles abgebrannt.“
Diese Aussagen stammen von Gerüchten. Das stimmt also so nicht.
Ja, es gab ein großes Feuer. Nein, nicht „alles“ ist abgebrannt.
In sozialen Netzwerken hält sich hartnäckig das Gerücht, die gesamte Region sei unbesuchbar. Das ist falsch.
Für den Rest des Sommers 2024 und in den Herbst hinein wurden sogar Banff und Lake Louise von einigen Reisenden komplett storniert – obwohl diese Orte 250 Kilometer vom Brandgebiet entfernt lagen und nicht betroffen waren. Ein gutes Beispiel dafür, wie gefährlich Fehlinformationen sein können.
Mein Rat: Hör auf die Locals, auf offizielle Stellen und auf Menschen, die vor Ort waren.
Jasper – Was dich wirklich erwartet
Die Feuerfläche (gelbe Linie) erstreckt sich über ca. 50 km – von den Athabasca Falls, an Jasper vorbei, bis kurz hinter den Maligne Canyon. Es ist verständlich, dass viele Reisende dieses Gebiet nun meiden möchten. Doch wie die Karte zeigt, gibt es rund um Jasper noch viel unberührte Natur, die vom Feuer verschont geblieben ist.
Persönlicher Eindruck kurz nach dem Feuer
Ja, in der Nähe von Jasper tut er Anblick der Landschaft sehr weh. Wir waren am 11. September 2024 zu Besuch, (also kurz nach dem Feuer) und hatten Tränen in den Augen. Zu der Zeit durfte man noch nirgendwo anhalten, deshalb entstanden die Fotos während der Fahrt aus dem Auto.
Trotz der Zerstörung wird deutlich, wie gut sich die Natur regeneriert. Waldbrände sind in den Rockies ein natürlicher Bestandteil des Ökosystems und tragen zur Erneuerung der Wälder bei.
Im Sommer 2026 wird man schon große Fortschritte sehen können – neues Grün, junge Pflanzen und sich erholende Wälder zeigen die Kraft der Natur. Auch die Waldbewohner kehrten schon wenige Wochen nach dem Feuer zurück, sodass man wieder auf Tiere wie Hirsche, Elche oder Bären treffen kann.
Stark betroffene Touristenattraktionen
Die Wanderung im Valley of the Five Lakes sowie der Maligne Canyon wurden von den Flammen schwer getroffen und blieben nicht verschont. Parks Canada hat jedoch intensiv daran gearbeitet, diese Gebiete für Besucher wiederherzustellen.
Während eine Wiedereröffnung des Valley of the Five Lakes für den Sommer 2026 geplant ist, sind die Schäden im Maligne Canyon so gravierend, dass ein Wiedereröffnungsdatum derzeit noch nicht feststeht.
Betroffene Campgrounds (innerhalb der Brandfläche):
- Wabasso
- Wapiti
- Whistlers
Die Lage der drei Campgrounds ist im obigen Foto mit Kreuzen markiert.
Das Campingerlebnis wird anders sein als früher. Der grüne Baumbestand fehlt größtenteils. Besonders der große Whistlers Campground steht als baumlose Fläche da, mit einzelnen grünen, unberührten Tannen. Aber:
- Die Stellplätze sind unberührt
- Die meisten Waschhäuser sind intakt
- Teilweise ist sogar der Rasen erhalten geblieben
- Der Waldboden regeneriert sich sehr schnell – Gras war schon wenige Wochen nach dem Brand wieder knöchelhoch
Nicht betroffene Campgrounds um Jasper (außerhalb der Brandfläche):
Snaring Campground (Foto unten)
- 62 Stellplätze
- First come first served
- Kein Strom
- Mit Feuerstelle
- Max. 27 Fuß
Miette Campground
- 140 Stellplätze
- Reservierbar
- Kein Strom
- Mit Feuerstelle
- Max. 35 Fuß
Overflow Campground
- 280 Stellplätze
- Reservierbar
- Kein Strom
- Keine Feuerstelle, kein Feuer erlaubt
- Auch für große Wohnmobile
Privat: Jasper Gates Resort & RV
- 40 Minuten von Jasper Richtung Hinton
- 100 Stellplätze
- reservierbar
- 40 Stellplätze mit Strom + Wasser
Alberta Parks: William A. Switzer Provincial Park – Gregg Lake und Jarvis Lake
- 1 Stunde von Jasper Richtung Hinton
- reservierbare Stellplätze
- mit Strom + Waser
Attraktionen, die vom Feuer nicht betroffen sind
Diese Highlights könnt ihr ganz normal einplanen:
- Mount Edith Cavell mit dem Angel Glacier
- Patricia Lake & Pyramid Lake
- Maligne Lake inkl. der berühmten Bootsfahrt zu Spirit Island
- Maligne Lake Road (ab Medicine Lake bis Maligne Lake)
Geheimtipp: Die Maligne Lake Road bleibt eine der besten Strecken für Wildlife-Sichtungen – besonders frühmorgens oder zur Abenddämmerung.
Hier ein paar Tipps für Jasper und Umgebung:
Maligne Lake & Spirit Island
Eine Bootsfahrt zum berühmten Spirit Island ist ein absolutes Must-Do.
Sobald die Bootsfahrten enden, zeigen sich die Waldbewohner entlang der Straße. Die Maligne Lake Road zählt zu den besten Strecken für Wildlife-Sichtungen.
Hirsche, Elche und gelegentlich sogar Bären lassen sich hier fast immer beobachten – bei über 20 Besuchen haben wir fast jedes Mal Tiere entdeckt. Mit etwas Glück gibt es eine beeindruckende Spiegelung im Wasser obendrauf.
Moose Lake Wandern
- Ein idealer Spot für Elch-Sichtungen.
- Besonders morgens oder am Abend sind die Chancen am höchsten.
Pyramid Lake & Patricia Lake
- Am besten vor 8 Uhr morgens besuchen.
- Bei Windstille perfekte Spiegelungen der umliegenden Berge im Wasser.
- Ideal für Kajak oder Stand-Up-Paddle-Board (SUP).
Foto vom Patricia Lake mit dem Pyramid Mountain im Hintergrund
Mount Edith Cavell
- Fährt man die Cavell Road bis zum Gletscher, bekommt man atemberaubende Ausblicke.
- Achtung: Der untere Teil der Cavell Road ist jedoch von den Bränden betroffen und befindet sich weiterhin in den Aufräumarbeiten.
- Cavell Meadows Wanderung: relativ einfach, sehr wildtierfreundlich, Blumenwiesen im Sommer.
Aktivitäten in Jasper
- Jasper SkyTram / Gondola: fantastischer Panoramablick über die Rockies.
- Planetarium: besonders für Sternenbeobachtungen in klaren Nächten.
- Rafting & Kajak: auf dem Athabasca River für Abenteuerlustige.
- Reiten: verschiedene Ranch-Angebote in der Umgebung.
- Miette Hot Springs: heiße Quellen zum Entspannen nach Wanderungen.
Oder >> hier einen der vielen Wanderwege aussuchen.
Wenn du Jasper nicht besuchen möchtest
Den Icefields Parkway auf keinen Fall verpassen! Diese Strecke gilt als eine der schönsten Straßen Kanadas und ist ein absolutes Highlight jeder West-Kanada-Reise. Auf knapp 230 km erwarten dich imposante Gletscher, Wasserfälle, türkise Seen und eine atemberaubende 360-Grad-Berglandschaft, die jeden Fotostopp unvergesslich macht.
Alternative Lösungen:
Jasper auslassen: Icefields Parkway hoch fahren, erkunden, dann an der Ampel in Jasper links Richtung Mount Robson.
Von den Athabasca Falls, wo die ersten Brandspuren zu erkennen sind, sind es nur etwa 30 km bis Jasper – rund 25 Minuten Fahrt. Sobald man an der Ampel auf den Highway 16 abbiegt, ist der betroffene Bereich hinter einem.
Tagestrip ab Banff
Banff um einen Tag verlängern und bis Saskatchewan Crossing fahren – dann zurück.
Highlights auf der Strecke:
- Bow Lake
- Waterfowl Lakes
- Wanderung zum Chephren Lake
- Peyto Lake
- Mistaya Canyon
- Optional: Abraham Lake (riesiger, intensiv blauer See)
Noch höher hinauf auf dem Icefields Parkway
Von Banff oder Lake Louise bis zum Columbia Icefield fahren – besser noch weiter bis zu den Sunwapta Falls und auf dem Icefields Parkway übernachten.
Die Sunwapta Falls liegen 55 km vor Jasper und sind unberührt.
Das Gute: Du musst nicht am gleichen Tag zurückfahren – ideal, wenn du Wanderungen einplanst.
Übernachtungsmöglichkeiten entlang des Icefields Parkway
Für Wohnmobil-Reisende
- Mosquito Creek (FCFS)
- Rampart Creek (reservierbar)
- Silverhorn Creek (reservierbar)
- Waterfowl Lakes (FCFS)
- Icefields Centre RV (Overflow)
- Wilcox (FCFS)
- Jonas (FCFS)
- Honeymoon Lake (FCFS)
Für PKW-Reisende (Hotels):
- Sunwapta Falls Resort
- Glacier View Lodge
- The Crossing Resort
Für Budget-Reisende: Wilderness Hostels
- HI Rampart Creek
- HI Mosquito Creek
- HI Beauty Creek
- HI Mount Edith Cavell
Jasper wird anders sein – ja.
Aber nicht zerstört, nicht verloren und definitiv keine No-Go-Zone.
Die Stadt, die Natur und die Menschen freuen sich auf Besucher.
Diese Message kommt auch von Tourism Jasper, wie du im unteren Video sehen kannst.