Campgrounds reservieren oder nicht?

Disclaimer: Wir leben in Kanada, in der Nähe der touristischen Hotspots. Und wir sprechen hier ausschließlich aus Erfahrung in den Rocky Mountains. Für den restlichen Teil, und den Osten Kanadas haben wir keine eigenen Eindrücke oder Informationen.

Auch wenn wir mit unserem eigenen, privat umgebauten Camper unterwegs sind und somit sehr flexibel reisen können, haben wir festgestellt: Eine Reservierung ist in vielen Fällen absolut sinnvoll – insbesondere in der Hochsaison oder an besonders beliebten Orten. So können wir uns genau den Stellplatz aussuchen, der zu uns passt – zum Beispiel:

  • Einen Platz mit Schatten, wenn die Sonne stark scheint, wie ihr im Foto sehen könnt. 
  • Direkt am See oder Fluss, um die Aussicht zu genießen.
  • Einen ruhigen Platz abseits von viel Trubel, wie z.B. etwas entfernt vom Kinderspielplatz oder dem Duschhaus, wo es früh morgens oft viel Verkehr gibt. 

Meine lokalen Eindrücke – und was sich seit Corona verändert hat

Die Eindrücke vor Ort – und die vieler Kanadier – zeigen deutlich: In den letzten Jahren hat sich einiges verändert.
Wenn man heute Informationen im Internet sucht, muss man unterscheiden: Stammt der Bericht oder die Aussage “Ich habe nie reserviert…” aus der Zeit vor oder nach Corona?

Während der Pandemie konnten viele Kanadier nicht ins Ausland reisen. Stattdessen entdeckten sie ihr eigenes Land neu – und vor allem das Camping mit dem Wohnmobil wurde extrem beliebt. Der sogenannte Camping-Boom begann und plötzlich wollte jeder Kanadier ein eigenes Wohnmobil haben.

Tausende Wohnmobile verließen die Händlerhöfe wie warme Semmeln. Die Nachfrage war so hoch, dass die Hersteller mit der Produktion kaum noch hinterherkamen. Ich spreche hier aus erster Hand. Ich habe während der Pandemie selbst kurze Zeit im Verkauf von Wohnmobilen gearbeitet – und es war wirklich verrückt, was da los war. Ich habe Wohnmobile übers Telefon verkauft, ohne dass die Käufer sie je persönlich angeschaut oder probegefahren haben.

In der Umgebung von Calgary entstanden in kurzer Zeit zahlreiche neue Winterlagerplätze für Wohnmobile. Wo früher nur leere Flächen waren, stehen heute riesige Stellplätze mit Hunderten von geparkten Wohnmobilen – ein deutlich sichtbares Zeichen für den Camping-Trend.

Auch nachdem die Corona-Pandemie vorbei war, ist die Begeisterung fürs Campen geblieben. Und auch internationale Besucher entdecken zunehmend den Reiz des Campings in Kanada.

Kanada gilt international als Top-Destination für Campingreisen. Kein Wunder also, dass in vielen Reiseforen und Facebook-Gruppen immer öfter darüber berichtet wird, dass Wohnmobile bereits ein ganzes Jahr im Voraus gebucht werden – vor allem für die Sommermonate.

Wer also heute in Kanada mit dem Wohnmobil unterwegs sein möchte – ob als Tourist oder Einheimischer – sollte gut planen und möglichst früh reservieren, besonders in der Hochsaison.

„Früher war das einfacher…“

Viele erzählen: „Ich war vor Jahren dort und habe nie reserviert.“ – Das stimmt auch. Vor 6–10 Jahren war alles deutlich entspannter. Doch heute sieht es anders aus. Nach Corona ist die Nachfrage nicht zurückgegangen, sondern eher um einiges gestiegen. 

Der Banff Nationalpark empfängt jährlich rund 4 Millionen Besucher

Woher die Statistik? >> Parks Canada sagt hier: Im Haushaltsjahr 2023/2024 verzeichnete der Banff Nationalpark mit 4,28 Millionen Besuchen die höchste Besucherzahl in seiner Geschichte. Dies entspricht einem Anstieg von 31 % im Vergleich zu 2013. Besonders stark frequentiert war die Region Lake Louise, wo die Besucherzahlen in den letzten zehn Jahren um bis zu 70 % gestiegen sind. 

Ein Abwärtstrend? Nicht in Sicht. 

Wir erleben es jeden Sommer aufs Neue: Die Zahl der Wohnmobile auf Kanadas Straßen steigt weiter an. Im Sommer 2025 war es besonders deutlich zu sehen – nicht nur die Campgrounds sind voller denn je, auch die Konkurrenz unter den Wohnmobilvermietern wächst.

Fast jeder kennt die bekannten „Big 3“ Wohnmobilvermieter mit den meisten Fahrzeugen auf der Straße:

  • Fraserway
  • CanaDream
  • Cruise Canada

Aber dieses Jahr waren zum ersten Mal auch auffallend viele Fahrzeuge von neuen Anbietern unterwegs – vor allem Indie Campers und Roadsurfer, die in Europa längst etabliert sind und nun offenbar auch den kanadischen Markt für sich entdecken.

Zusätzliche persönliche Erfahrung aus der Wohnmobilbranche

Vor etwa 6 bis 10 Jahren war das Reisen mit dem Wohnmobil in Kanada noch deutlich entspannter. Man fand auch in der Hauptsaison fast überall spontan einen Stellplatz.  „Happy campers“ wohin man schaute.

Doch schon in den letzten Jahren vor der Pandemie merkte man in Gesprächen mit Kunden und unterwegs immer häufiger: Viele Reisende waren erleichtert, wenn sie im Voraus reserviert hatten – besonders in beliebten Regionen.

Seit der Corona-Pandemie hat sich diese Entwicklung weiter verstärkt. Der Ansturm auf Campgrounds ist geblieben – und jedes Jahr kommen mehr Besucher hinzu, sowohl aus dem In- als auch aus dem Ausland. Wer heute unterwegs ist, erlebt eine ganz andere Dynamik als noch vor einem Jahrzehnt.

Muss man nun reservieren?

Die Antwort lautet: Es kommt darauf an. Man musst nicht reservieren, wenn man:

  • abends 3–4 Stunden zeitlich flexibel ist,
  • bereit ist, bis zu 100 km Umweg in Kauf zu nehmen,
  • und kein Problem hat, mehrere Campingplätze abzuklappern.

Vielleicht hast du Glück und ergatterst gleich beim ersten Campingplatz einen Stellplatz – wunderbar! Und dann denkt man schnell: „Siehst du? Spontan geht doch!“ 

Aber die Realität ist: Das klappt eben nicht immer – und schon gar nicht überall. Vielleicht wirst du erst fündig, wenn die Dämmerung bereits einsetzt – und der fünfte oder sechste Campground endlich einen Stellplatz frei hat. Es kann also gut sein, dass du noch von Campground zu Campground fährst – auf der Suche nach einem „spontanen“ Stellplatz – während andere Reisende längst entspannt am Lagerfeuer sitzen, ihr Abendessen brutzeln und den Tag ausklingen lassen.

Die Suche nach einem freien Campground kann den ganzen Urlaub verderben, wenn man am fünften Platz immer noch nichts gefunden hat, inzwischen 100 Kilometer vom eigentlichen Ziel entfernt ist – und am nächsten Tag wieder 100 Kilometer zurückfahren muss, nur um die geplante Sehenswürdigkeit doch noch zu besuchen.

Hochsaison + Hotspots = Reservierung dringend empfohlen

In der Hochsaison (Juli und August) und an den beliebten Hotspots wie Banff und Lake Louise ist eine Reservierung heutzutage fast unerlässlich. 

Dasselbe gilt inzwischen auch im weiteren Umkreis von Vancouver.  Auch hier hat der Camping-Boom der letzten Jahre dazu geführt, dass spontane Übernachtungen in der Hochsaison kaum noch möglich sind.

Die Freiheit und Spontanität, wie man sie vor 10 Jahren beim Campen in Kanada noch kannte, gibt es an diesen stark besuchten Orten nicht mehr. Wer dort unterwegs ist, muss planen – oder mit viel Glück und Geduld reisen.

Langzeiturlauber reisen anders

Wer mehrere Monate in Kanada unterwegs ist – oder sogar mit eigenem Camper ein ganzes Jahr auf Weltreise – hat natürlich deutlich mehr Flexibilität. Diese Reisenden können Umwege einbauen, länger an einem Ort verweilen oder auch einmal erst spät am Abend ankommen.

Für sie ist es auch kein Problem, gelegentlich auf einem Supermarkt-Parkplatz oder am Straßenrand zu übernachten. 

Kurios wirkt es schon bei den Supermärkten: Wohnmobile, die dicht an dicht auf grauem Asphalt stehen – ohne Feuerstelle, ohne Aussicht, mitten zwischen Einkaufswagen und Lieferzonen. Aber immerhin: Sie können sagen, dass sie spontan waren und trotzdem einen Platz gefunden haben. Genau von dieser Gruppe hört man dann häufig den Satz: „Ich habe nie reserviert.“

Dabei wird aber meist verschwiegen, wie lange, wann, und wo sie unterwegs waren. In Reiseforen und Facebook-Gruppen führt das zu verzerrten Informationen und weckt bei zukünftigen Reisenden falsche Hoffnungen.

Für Langzeitreisende ist diese Reiseart auch völlig in Ordnung – wenn es für sie passt. Für viele klassische Kanada-Reisende sieht Camping allerdings anders aus: Lagerfeuer, Natur, Ruhe. Wer für 10.000 Euro oder mehr ein Wohnmobil für ein paar Wochen mietet, hat andere Erwartungen als Camping auf einem Supermarkt-Parkplatz.

Bei einer klassischen dreiwöchigen Rundreise steht der Start und der Heimflug fest. Die Uhr tickt jeden Tag.
Dazwischen muss man sich ständig bewegen und schauen, dass man die Route zeitlich einhalten kann und von Campground zu Campground kommt.
 
Mal eben fünf Tage an einem Ort bleiben und die restlichen 1000 Kilometer der Reise in zwei Tagen aufholen? Bei begrenzter Reisezeit funktioniert das kaum, und ist viel zu schade, um an all den restlichen großartigen Attraktionen auf der Strecke vorbeizurasen.
 

Für Kurzzeitreisende ist daher eine gute Planung und oft auch eine Reservierung besonders wichtig.

Gerne gebe ich euch einen Anhaltspunkt für den Aufenthalt im Banff Nationalpark. Ich empfehle eine Dauer von 4 Tagen mit 3 Übernachtungen, wobei ihr Banff als Basisstation nutzt und von dort aus die Umgebung erkundet. 

Ankunft in Banff – Übernachtung
Ihr kommt am Abend in Banff an, daher dient der erste Abend hauptsächlich der Ankunft und dem Einrichten auf dem Campground. Eine entspannte Abendstimmung in der Stadt ist hier ideal, um anzukommen und sich auf die kommenden Tage einzustimmen.

Tag 2 – Lake Louise und Moraine Lake 
Der nächste Tag sollte ganz im Zeichen der berühmten Seen stehen. Für diesen Tag solltet ihr euch bewusst kein weiteres Programm vornehmen, da allein diese beiden Ziele genug Zeit beanspruchen und zu den absoluten Höhepunkten nicht nur des Parks, sondern der gesamten Kanada-Rundreise zählen.

Plant den Tag entspannt ein, um die Natur zu genießen, Fotos zu machen und kleine Wanderungen zu unternehmen. Ich empfehle, frühzeitig einen Shuttle zu reservieren, um Stress zu vermeiden und die Fahrt angenehm zu gestalten.

Wichtig: Die Zufahrtsstraße zum Moraine Lake ist für private Fahrzeuge gesperrt — man kann nicht mehr mit dem eigenen Auto dorthin fahren oder dort parken. Besucher erreichen den See ausschließlich mit dem Parks Canada Shuttle oder über lizenzierte kommerzielle Shuttle-/Touranbieter. >> Ein ausführlicher Beitrag zum Moraine Lake Shuttle folgt demnächst.

Tag 3 – Banff und Umgebung entdecken (Wohnmobil stehen lassen) 
Am dritten Tag lohnt es sich, das Wohnmobil auf dem Campground stehen zu lassen, da ihr viele Sehenswürdigkeiten bequem mit den öffentlichen Bussen von Roam Transit erreichen könnt. Das macht den Tag entspannter und stressfreier, da ihr euch nicht um Parkplätze kümmern müsst. 

Zu den lohnenswerten Zielen in der Umgebung gehören: Hoodoos Viewpoint, Two Jack Lake & Lake Minnewanka, Johnston Canyon, Bow Falls, Sulphur Mountain – hier könnt ihr mit der Gondel auf den Gipfel fahren und von dort aus spektakuläre Ausblicke über die Rocky Mountains genießen. Wer mag, kann auch den Wanderweg nach oben nutzen.

Auch kleine Spaziergänge oder Wanderungen rund um Banff bieten sich an, wenn ihr es gemütlich angehen lassen wollt. Wichtig ist, den Tag nicht zu sehr zu verplanen – so habt ihr Zeit, die Schönheit der Natur entspannt auf euch wirken zu lassen.

Tag 4 – Abreise oder Weiterreise
Je nach euren Plänen könnt ihr den letzten Tag noch für einen Spaziergang in Banff selbst oder einen kurzen Ausflug in die Umgebung nutzen, bevor ihr weiterreist.

Warum Reservierungen für Familien besonders wichtig sind

  • Planbarkeit: Kinder haben Routinen – Abendessen, Schlafenszeit, vielleicht davor noch ein Lagerfeuer. Mit einer Reservierung weiß man, wo man am Ende des Tages landet, und kann den Tag viel entspannter gestalten.

  • Keine unnötigen Umwege: Statt von Campground zu Campground zu fahren (was gerade in Kanada schnell mal 50–100 km bedeutet), fährt man direkt zum Ziel und kann dort ankommen und durchatmen.

  • Bessere Stellplätze: Mit Reservierung gibt es höhere Chancen auf schön gelegene Plätze – z. B. am See, mit etwas mehr Abstand oder nahe bei Spielplatz und Sanitärgebäuden. Gerade für Familien ist das ein Komfortfaktor.

  • Stressvermeidung: Nichts ist anstrengender, als Kinder nach mehreren Stunden Autofahrt nochmal vertrösten zu müssen, weil „Mama & Papa noch einen Platz suchen müssen“.

  • Sicherheit: Auf Overflow-Plätzen oder Rest Areas direkt am Highway steht man oft sehr eng und ohne Feuerstelle oder Picknicktisch. Für Kinder bleibt da kaum Raum zum Spielen. Ein richtiger Campground ist deutlich familienfreundlicher.

  • Mehr Erlebnisse: Statt mit gestressten Eltern im Auto zu sitzen, können Kinder den Abend mit Marshmallows am Lagerfeuer und Spielen verbringen. 

Wann man eher nicht reservieren muss

  • In der Nebensaison – also im Mai/Juni sowie im September/Oktober – gestaltet sich das Reisen deutlich entspannter.
  • Abseits der stark frequentierten Nationalpark-Attraktionen lassen sich viele Campgrounds finden, auf denen spontane Übernachtungen oft problemlos möglich sind.

Aber Vorsicht: Auch in der Nebensaison können Wochenenden oder Feiertage überraschend stark besucht sein – vor allem bei gutem Wetter oder in beliebten Regionen. Auch viele Kanadier nutzen die Nebensaison, um die Natur zu genießen. 

Ein weiterer Punkt, den man in der Nebensaison beachten sollte:

Viele Campgrounds sind in dieser Zeit noch oder schon wieder geschlossen. Die Auswahl ist also deutlich eingeschränkt. Man ist dann häufig auf die wenigen ganzjährig geöffneten “Wintercampgrounds” angewiesen. Eine Vorab-Recherche lohnt sich also auch außerhalb der Hauptreisezeit.

Wer spontan reisen möchte, sollte zumindest prüfen, welche Campgrounds zu der Zeit noch geöffnet sind. Andernfalls kann es passieren, dass man viele Kilometer zurücklegen muss, um einen verfügbaren Platz zu finden, wenn mehrere Campgrounds in der Umgebung bereits geschlossen haben.

✨ Fazit: Mit einer Reservierung hat man weniger Stress und mehr Zeit für die Natur ✨

Ob mit oder ohne Reservierung unterwegs – das bleibt eine persönliche Entscheidung und hängt vom eigenen Reisestil ab.

Aber seid euch bewusst:
Ohne Reservierung kann die Suche nach einem freien Stellplatz gerade in beliebten Regionen oder zur Hauptsaison stundenlang dauern – stressig, frustrierend und manchmal auch ohne Erfolg. Dann bleibt nur noch Plan B und C: Raus aus dem Nationalpark und weiter suchen, denn wildcampen ist in Nationalparks und Provincial Parks verboten. 

Mit Reservierung sitzt du entspannt am Lagerfeuer, genießt die Natur. 

Für uns persönlich überwiegt ganz klar das gute Gefühl, abends sicher und stressfrei anzukommen – besonders nach einem langen Reisetag.

Für uns bedeutet Freiheit und Flexibilität nicht, stundenlang im Auto herumzufahren, sondern abends zu wissen, dass wir unseren Wunschplatz am See haben – und nicht auf einem Overflow-Parkplatz oder neben der Mülltonne schlafen müssen.

In dem Moment, wenn man abends um 21 Uhr entspannt am Lagerfeuer sitzt und beobachtet, wie andere Wohnmobile noch suchend über den Campground rollen, wird einem klar: Die Reservierung war die absolut richtige Entscheidung.